Samstag, 18. August 2012

Vegan - Ein Abenteuer / Teil 1: Der Anfang vom Ende oder "Ich will kein Puffergesicht sein!"

So, Ihr Lieben, nun ernähre ich mich bereits über 7 Monate lang vegan - es ist also mal Zeit für eine umfassendere Zwischenbilanz.

Zuerst einmal erzähle ich Euch aber heute, wie es überhaupt dazu kam, dass ich Veganerin wurde.
Der heutige Post liegt damit also voll im Trend, ist er doch sozusagen ein Prequel: :-)

Vegetarierin bin ich ja bereits seit Anfang 2005 - damals war ich mit einigen Leuten über Silvester in Dänemark und es waren auch 2 Vegetarier dabei. Von ihnen habe ich gelernt, dass es gar nicht wehtat, eine Woche lang weder Fleisch noch Wurst zu essen und nachdem ich, zurück zu Hause, irgendwie (Zufall?) ständig mit Berichten über Tiertransporte und Schlachthäuser konfrontiert wurde, die mich sehr berührt haben und deren Bilder mir heute noch manchmal in den Kopf schießen, stand der Entschluss dann fest: Ich steige um und ernähre mich vegetarisch.
Im Laufe der Jahre allerdings habe ich doch immer mal wieder an einem Wurststand halt gemacht, mir eine Bratwurst reingezogen und das auch gleich mit einem "wenn der Körper mir so großen Appetit signalisiert, dann wird er es wohl brauchen und dann sollte man dem auch nachgeben" vor mir selbst entschuldigt.
Das war natürlich Quatsch, denn 1. braucht mein Körper nicht zwangläufig immer das, worauf ich grade Appetit habe (sonst würde meiner ja ständig Schokolade, Eis oder Kekse benötigen und DAS kann ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen) und 2. wäre eine Rechtfertigung ja gar nicht nötig gewesen.
Ich habe es gegessen und Punkt. Wie jede/r andere auch. Basta und aus.
Aber nein, ICH hatte jedes Mal ein großes schlechtes Gewissen (Ihr wisst schon, die schrecklichen Bilder in meinem Kopf) und fühlte mich hinterher entweder wie eine Versagerin oder eine Verräterin. Oder gleich beides.

Letztlich führten dieses doofen Gefühle dann jedoch leider weniger dazu, dass ich ganz streng vegetarisch gegessen hätte, sondern mehr dazu, dass ich mich mit der ganzen Thematik, die ursprünglich meine Motivation war, einfach nicht mehr beschäftigt habe und mein Wissen über die Wirklichkeit wieder verdrängte. So wurden die Bilder in meinem Kopf blasser, zu `ner Bratwurst kam auch schonmal im nächsten Quartal ein Wiener Würstchen hinzu, einen Monat später mal eine Bulette und im letzten Jahr habe ich in der Weihnachtszeit dann einfach mal komplett "ausgesetzt" und während meines Urlaubs fast täglich Fleisch zu mir genommen.
"Ach wie blöd" könnte man jetzt denken, aber aus heutiger Sicht betrachtet war das sehr gut so.
Es führte nämlich dazu, dass ich mich eines Abends hundeelend fühlte. Nach diesem unangenehmen Völlegefühl, das man in dieser Form wirklich nur hat, wenn man viel Fleisch zu scih genommen hat und das ich schon gar nicht mehr kannte, folgten richtig fiese Magenschmerzen und über das dann folgende berichte ich lieber nicht genauer. Auf jeden Fall jedoch rief es mir meine Ernährung wieder ins Bewusstsein und mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Ich war schon immer moppelig bis dick mit Gewichtsschwankungen von 20 Kilo (ja, wirklich 20 nicht 2!) auf und ab, auch die vegetarische Ernährung hatte daran nichts geändert, aber in den letzen Monaten hatte ich nochmal ordentlich Gewicht draufgepackt und inzwischen sogar ein richtiges Puffergesicht bekommen. Immer, wenn ich mich im Spiegel ansah, hatte ich den Gedanken, so richtig wie ein Fleischfresser auszusehen. Wisst Ihr, wie man sich so eine rosa-rot-geäderte fleischige Metzgersfrau vorstellt- Genau so fühlte ich mich. Ständig konnte ich mein Doppelkinn und meine dicken Wangen spüren - wie aufgeblasen. In jedem einzelnen Moment war ich mir des überdimensionalen Pos und der wackeligen Oberschenkel bewusst. Und das war wirklich kein schönes Gefühl.

Manchmal sind es schon 2 oder 3 Kilos, die den Unterschied ausmachen zwischen "sich eigentlich trotz der dicken Mulle noch ganz wohl und heimisch fühlen im eigenen Körper" und einem "sich selbst irgendwie ekelig finden". Da war ich nun ganz nah dran und was es bewirkt und welche Folgen es haben kann, wenn man über sich selbst so etwas denkt, das muss ich wohl kaum näher ausführen.

Also zog ich gedanklich die Notbremse und beschloss, wieder zur vegetarischen Ernährungsweise zurück zu kehren, um nicht noch unzufriedener zu werden und etwas für meine Gesundheit, meine Figur und damit für mich und mein ganzes Wohlgefühl zu tun.

Und dann kam mein Mann. Er hat sich ebenfalls für eine vegetarische Lebensweise entschieden, hatte aber auch, ebenso wie ich, über die Weihnachtszeit eine "Auszeit" davon genommen. Ihm war es nicht ganz so schlimm ergangen wie mir, aber wirklich gut fühlte er sich mit dem ständig schweren Magen auch nicht.
Und nun saßen wir eines Abends, irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr 2011, am familären Esstisch zusammen, ich wollte meinen Beschluss verkünden, dass nun wieder Schluss sei mit dem ganzen Fleischkram, da meinte er in ganz ruhigem Ton, fast beiläufig, er würde im neuen Jahr mal ausprobieren, wie es ihm bekommen würde, sich vegan zu ernähren.
"??!!" dachte ich und bekundete nach einer Millisekunde des Nachdenkens: "DA bin ich dabei!".

Und so war es geschehen. Entschlossen ausgesprochen gab es nun kein zurück mehr.


Was mich dann erwartete, davon erzähle ich im nächsten Kapitel.

Bis dahin

Kommentare:

Marions Bastelstübchen hat gesagt…

Oh, Mann, Sole! Wie kannst Du denn aufhören, wenn es am spannendsten wird? ;-)
Hoffentlich kommt bald die Fortsetzung!!!
Übrigens: Ich bin nun seit Ostern Vegetarier und stolz wie Oskar!! Weißt Du, wer mir den Anstoß und den Mut dazu gegeben hat?
Genau, DU!
Also: Ich will schnell wissen, wie die Geschichte weiter geht! ;-)
Beste Grüße
Marion

Sole hat gesagt…

Oh Marion!!! Wie klasse ist das denn?!
Wie sehr ich mich mit Dir freue!! Und ICH hab Dich dazu motiviert? Wow - DAS macht nun MICH wirklich richtig stolz! *strahl*
Danke für diesen wirklich wundervollen Kommentar, der mir klar macht, dass tatsächlich jede/r Einzelne etwas bewegen kann und *psss..* schon am Montag kommt der zweite Teil meiner Zwischenbilanz! :-)
Ganz bewegte und besonders liebe Grüße, Deine Sole

Thommy hat gesagt…

Liebes, du hast nicht nur die Marion inspiriert, sondern auch mich (uns)! Klar, der Gedanke, dass da was nicht nicht ganz richtig läuft war lange schon da, aber du warst der letzte Anstoß, wieder zurück auf den bereits vor ein paar Jahren begonnen Weg zu kommen. Und auch mir geht es seit dem deutlich besser. Was die Umstellung für meine bessere Hälfte bedeutet, weißt du ja. Es macht jedenfalls Spaß, diesen Weg zu gehen und ich vergesse sogar langsam den Käse ;-) Morgen probiere ich ein neues Rezept. Wenn es gelingt, poste ich ... Süßkartoffeln ... eine mir bislang unbekannte Zutat ...
Drück dich!!!